Link verschicken   Drucken
 

Geschichte

Sennfeld, ein ehemals kaiserlich unmittelbares Reichsdorf

Sennfeld zählt zu einem der ältesten Orte Frankens. Der Ursprung der Siedlung liegt im Dunkeln. Schon im 6. Jahrhundert zogen in mehreren Wellen die Franken in das Mainland und siedelten sich an. In dieser Zeit gab es über dem Main zwei königliche Höfe, sogenannte „Königsgüter” („bona regia”) der Frankenkönige, die allmählich zu den kaiserlich unmittelbaren reichsfreien Dorfschaften Sennfeld und Gochsheim führten. Die erste urkundliche Erwähnung fällt allerdings erst in das Jahr 1094. Durch seine Nähe zur strategisch wichtig gelegenen Reichsstadt Schweinfurt ist das einstige Reichsdorf oft in den Blickpunkt weitreichender politischer Machtspiele gekommen. Seinen reichsunmittelbaren Status hat es wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit Schweinfurt erlangt. Als „Reichsdorf” hatte Sennfeld weitreichende Selbstverwaltungskompetenzen sowie Anteil an der Gerichtsbarkeit. Schweinfurt wird erstmals 1254 „civitas olim imperii" —ehemalige Reichsstadt— genannt. Gegenüber diesem mächtigen Nachbar und dem Hochstift Würzburg, die beide wiederholt nach dem Erwerb dieses recht wohlhabenden Dorfes trachteten, musste Sennfeld mit großer Zähigkeit und Ausdauer seine Reichsfreiheit verteidigen, bis mit dem Untergang des alten Deutschen Reiches in den Napoleonischen Kriegen auch dieser Kampf endgültig verloren wurde. Seit dem 30. Juni 1814 gehört Sennfeld dem bayerischen Staatsverband an.
Ernst Töpper, Gemeindearchivar

Reichsdorf

 

 

Aus der Geschichte

Die Geschichte Sennfelds reicht sehr weit zurück. Neueste Ausgrabungsfunde im Jahre 2003 belegen eine Besiedlung bereits im 8. Jahrhundert. Bereits in einer Urkunde vom 2. September 1094 wird ,,Sendelvelt" erstmalig erwähnt. Vermutlich ist aus einem ehemaligen Königsgut das spätere Dorf entstanden. In dieser Urkunde bestätigt Kaiser Heinrich IV. eine Schenkung Judiths (Tochter des letzten Markgrafen Otto III. von Schweinfurt, Gemahlin des Grafen Botho von Kärnten) an das Kloster Theres. Wann Sennfeld Rechte und Privilegien der Reichsfreiheit (Reichsunmittelbarkeit) erhalten hat, lässt sich leider nicht mehr genau ermitteln, da bei den verheerenden Zerstörungen, die der Ort im Dreißigjährigen Krieg erlitten hat, auch das damalige Archiv vernichtet wurde. Jedenfalls ist in einem Henneberger Urbarium urkundlich belegt, dass Sennfeld schon vor 1310 ein ,,Gericht von Reichs wegen" besessen hat. Mit der Berufung eines evangelisch-lutherischen Pfarrers an die damalige St. Erhardskirche wird im Jahre 1540 in Sennfeld die Reformation eingeführt, damit zwei Jahre früher als in Schweinfurt. Während des Dreißigjährigen Krieges bringen Brände, Plünderungen, Krankheit und Hunger die Ortsbewohner zur völligen Verarmung. Sennfeld verliert seine Reichsfreiheit und wird im Jahre 1636 vom deutschen Kaiser an das Hochstift Würzburg übergeben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gibt der Kaiser den Sennfeldern im Jahre 1649 nach längeren Verhandlungen die Reichsfreiheit mit allen vorherigen Privilegien zurück und stellt die alten Verhältnisse wieder her. Zum Dank für die wiedererlangte Reichsund Glaubensfreiheit feierten die Einwohner am ersten Sonntag im September ein großes ,,Freudenfest mit Singen, Musizieren und Predigt". Die Erinnerung daran wird noch heute an jedem ersten Sonntag im September bei der ,,Kirm" lebendig.


Das Dorf Sennfeld verliert im Jahre 1802 durch die von Napoleon durchgeführte Umgestaltung Deutschlands seine Reichsfreiheit endgültig und wird 1814 mit Unterfranken dem Königreich Bayern einverleibt. Als Randgemeinde der Industriestadt Schweinfurt hat die Gemeinde Sennfeld auch im Zweiten Weltkrieg unter dem Bombenhagel auf Schweinfurt sehr zu leiden. So fallen während eines Fliegerangriffes auf Schweinfurt am 31.3.1944 eine englische Luftmine sowie mehrere Spreng-, Brand- und Phosphorbomben mitten auf den alten Dorfkern und zerstören viele historische Baudenkmäler wie das Rathaus, die alte evangelisch-lutherische Dreieinigkeitskirche mit Pfarrhaus, die alte Schule und weitere 6 Wohngebäude. Von den 298 Wohngebäuden in Sennfeld wurden 203 beschädigt davon 37 total.


Inzwischen hat sich die Gemeinde Sennfeld, mit ihren 4600 Einwohnern, zu einer attraktiven Vorort- bzw. Stadtrandgemeinde entwickelt. Zahlreiche Industrie-, Handwerks-, Handels- und Verkehrsbetriebe geben den Bürgern Arbeitsplätze und stärken die Finanzkraft der Gemeinde. Auf einer Gemarkungsfläche von ca. 700 ha kennzeichnen Felder und Gärten eine bäuerlich-gärtnerische Struktur. Die Grundversorgung ist überdurchschnittlich gesichert. Hinzu kommen eine Apotheke, ein Zahnarzt und drei Allgemeinarztpraxen.